Kontakt: info@americanhome.de

Quilts

Keine Handwerkskunst ist für uns Europäer so amerikanisch wie das Quilten. Eigentlich ist es eine uralte Idee, eine isolierende Schicht zwischen zwei Stofflagen einzunähen, aber niemand hat diese Handwerkskunst so vervollkommnet wie die Amerikaner. Auch heute noch schlafen ganze Generationen von Amerikanern unter einem Quilt, der von Mutter oder Großmutter liebevoll entworfen und genäht wurde. Somit ist für die meisten ein Quilt eben nicht nur eine warme Decke, sondern steht für Geborgenheit und Gemütlichkeit und für ein "goldenes Amerika" aus der Zeit, in der die Gemeinden klein und überschaubar waren, die Werte unantastbar und Gott und das Vaterland über alles gingen

Die Kunst des Quiltens brachten allerdings bereits europäische Einwanderer mit nach Amerika. Die älteste erhaltene Quilt-Decke mit Szenen der Tristan-Legende stammt aus Italien und entstand im 15.Jahrhundert, aber auch in England war das Quilten im 17. und 18. Jahrhundert eine weitverbreitete Handwerkskunst.

Ein Quilt besteht immer aus drei Schichten, einer Unterschicht, einer isolierenden Wattierung und einer zierenden Oberseite. Zusammengefügt werden sie von Hand mit meist kunstvollen Quiltmustern, die als Ziernähte die Oberseite nochmals verschönern. Vor allem in England verbreitet war das sogenannte "Wholecloth-Quilten", bei dem die Oberseite aus einem durchgehenden Stück Stoff bestand und das einzig zierende die kunstvollen Nähte im Quiltmuster waren.

Die wirklich typisch amerikanische Variante des Quiltens ist das "Patchwork-Quilten", bei der verschiedenartige Stoffquadrate zusammengenäht wurden. Dabei war diese "Kunst" zunächst eher Notwendigkeit als Kreativität, denn in den frühen Jahren der Kolonialzeit und der Besiedelung des Westens war Stoff eine derart knappe Ressource, dass jedes noch so kleine Stückchen zwingend wiederverwendet werden mußte. Die Stoffreste wurden zu geometrischen Formen zugeschnitten, die mit anderen Stoffresten gemeinsam wiederum Blöcke bildeten und somit ein eigenes Muster ergaben.

Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich typische Muster, wie das berühmte "Log Cabin"-Muster oder der "Star of Bethlehem", die über Generationen weitergegeben wurden. Dabei waren die immer kunstvoller gestalteten Quilts durchaus äußerst alltagstauglich. Die Patchwork-Technik mit ihren relativ kleinen Stoffteilen sorgte dafür, daß zerschlissene oder kaputte Stellen einfach ausgetauscht werden konnten.

Die Quilts, die allerdings für die Näherin die meisten Ausdrucksformen brachten, waren die Quilts mit Applikationen. Hierbei wurden auf die einfarbige Oberseite andersfarbige Applikationen aufgenäht, die beliebige Formen annehmen konnten, so daß die Näherin ihr ganz eigenes Bild oder Muster aufnähen konnte. Auf diese Weise entstanden Quilts, die nicht nur phantasievoll und ausdruckststark waren, sondern auch persönliche Einstellungen und Vorstellungen widerspiegeln konnten. Meist wurden derartige Quilts als Erinnerungsstücke an wichtige Ereignisse im Leben genäht und wurden weniger als Alltags-Decken verwendet, sondern in Ehren gehalten.

Die Hochphase des amerikanischen Quiltens lag im 19.Jahrhundert, als die harte, entbehrungsreiche Zeit der Besiedelung vorbei war, Stoffe für jedermann erschwinglich zur Verfügung standen und die industrielle Revolution das Kunsthandwerk noch nicht auf die ländlichen Bereiche reduziert hatte. In dieser Zeit entstanden hunderttausende von Quilts, die durch ihre unterschiedlichen Muster und Motive auch das Leben der amerikanischen Frauen im 19. Jahrhundert widerspiegeln.

In der Mitte des 19.Jahrhundert setzte sich vor allem das Block-Quilten durch, bei dem nicht mehr kleine geometrische Formen, sondern gleichgroße Quadrate zu einem Quilt zusammengesetzt wurden. Die Technik einzeln gefertigte Quadrate in wiederkehrender Folge zusammenzunähen war für die Näherin äußerst zeitsparend und gilt neben dem Patchwork-Quilt als die bedeutendster Beitrag Amerikas zur Kunst des Quiltens.